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Dein freundlicher Moment mitten in der Woche
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Liebe*r ,


was hilft Menschen wirklich, wenn sie gerade eine schwere Zeit durchmachen?

Diese Frage begleitet mich seit vielen Jahren – beruflich und persönlich. Am vergangenen Wochenende durfte ich ihr in einem Seminar mit dem Titel „Mitfühlende Präsenz in schwierigen Zeiten“ noch einmal auf besondere Weise nachgehen.


Zusammengekommen waren Menschen, die andere begleiten, beraten, unterrichten oder therapeutisch arbeiten. Uns alle verband eine mehrjährige Ausbildung in kontemplativer Psychologie und die gemeinsame Erfahrung, Menschen durch schwierige Lebensphasen zu begleiten.


Was uns zusammenführte, war eine Sorge, die viele von uns gerade gut kennen. Wir spüren in unserer Arbeit, wie sich Erschöpfung und Belastung in den letzten Jahren noch einmal deutlich verändert haben. Die Welt um uns ist unruhiger geworden, und die Menschen, die zu uns kommen, zeigen eine andere Art von Müdigkeit, Überforderung und Verunsicherung als noch vor wenigen Jahren.


Wir haben in diesen Tagen viele Mitgefühlsübungen gemacht, und mir ist dabei einmal mehr bewusst geworden, wie stark Präsenz wirkt. In der Begegnung mit Menschen, denen es gerade nicht gut geht, kennen wir alle einen sehr menschlichen Reflex. Wir wollen, dass es ihnen besser geht. Manchmal können wir es kaum aushalten, sie leiden zu sehen. Und dann haben wir schnell einen Rat oder ein tröstendes Wort zur Hand.


Doch das, was wirklich hilfreich ist, ist meistens etwas anderes. Es ist die Anwesenheit eines Menschen, der bereit ist, meine Not mit mir anzuschauen und mit mir an den Abgrund zu gehen, an den ich mich allein nicht traue, ohne dabei schreiend davonzulaufen, zu belehren oder zu beschwichtigen.


Mitgefühl ist in der Tradition, in der ich ausgebildet bin, sehr genau beschrieben. Es ist Empathie angesichts von Leid, verbunden mit dem un-bedingten Wunsch, dieses Leid zu lindern.


Auf eine andere Weise hat das auch Carl Rogers beschrieben, einer der Begründer der humanistischen Psychotherapie. Lange Zeit galten für ihn drei Haltungen als das Herz guter therapeutischer Arbeit: Empathie, bedingungslose Wertschätzung und Echtheit. Erst spät in seinem Leben hat er noch etwas hinzugefügt, das er Präsenz nannte und beinahe als mystisch erlebte. Er beschrieb Momente, in denen er so vollständig anwesend war, dass die Beziehung selbst eine heilende Wirkung entfaltete, weit über jede Technik hinaus.

Unser Praxisraum im Shambala-Meditationszentrum in Köln.

Im mitfühlenden Austausch, der das Herzstück meiner Arbeit ist, geht es nicht darum, gute Ratschläge zu geben oder die richtigen Worte zu finden. Es geht darum, meinem Gegenüber aufmerksam zuzuhören – so, dass er sich wirklich gesehen, gehört und verstanden fühlt. 


Das klingt einfacher, als es ist. Denn während der andere spricht, taucht in uns oft vieles auf: eigene Erinnerungen, Bewertungen, Lösungsideen oder der Wunsch, etwas zu sagen. Die Übung besteht darin, all das wahrzunehmen und trotzdem mit offenen Herzen beim anderen zu bleiben. 


Das ist keine Technik. Es ist eine Haltung, die nur durch das kontinuierliche Üben am eigenen Inneren wachsen kann.


Vielleicht denkst du jetzt, das alles gelte nur für therapeutische Gespräche. Aber ich glaube, genau diese Art des Zuhörens könnte viele unserer alltäglichen Begegnungen verändern. 


Vielleicht bei einer Freundin, die gerade ihre Mutter verloren hat. Oder bei einem Teenager, der durch eine schwierige Phase geht und selbst nicht genau sagen kann, was los ist. Auch hier ist unser erster Impuls oft, etwas tun zu wollen. Wir suchen nach den richtigen Worten, einem guten Rat oder einem Trost, der den Schmerz kleiner macht.

Doch oft ist das Heilsamste die Erfahrung, dass jemand bleibt. Dass jemand zuhört, ohne sofort eine Lösung zu suchen. Dass jemand den Schmerz, die Verwirrung oder die Tränen nicht wegmachen will, sondern einen Moment lang mitträgt.

Ich glaube, genau darin liegt eine besondere Form von Mitgefühl: nicht alles reparieren zu müssen und dennoch da zu sein.


Damit uns das gelingen kann, müssen wir es aber zuerst bei uns selbst üben. Die amerikanische buddhistische Nonne Pema Chödrön nennt das ganz einfach „bleiben". Damit meint sie, bei sich selbst zu bleiben, wenn etwas wehtut, statt davonzulaufen oder es abzutun. Wer das bei sich selbst übt, kann es irgendwann auch einem anderen Menschen schenken.


Selbstmitgefühl ist deshalb keine weichgespülte Wellnessübung. Es ist die Voraussetzung dafür, dass ich für andere wirklich da sein kann.


Wir können die Zeiten nicht weniger unsicher machen. Aber wir können üben, in ihnen anwesend zu bleiben, bei uns selbst und bei den Menschen, die uns wichtig sind. Vielleicht ist das die wichtigste innere Praxis, die wir uns gerade schenken können.

Zitat der Woche

„Die kostbarste Gabe, die wir einem anderen Menschen geben können, ist unsere Anwesenheit."

(Thich Nhat Hanh)


Auf den ersten Blick wirkt dieser Satz des vietnamesischen Mönchs Thich Nhat Hanh fast unspektakulär. Und doch steckt darin etwas zutiefst Kostbares. Denn wenn wir an wertvolle Ressourcen denken, fallen uns oft Geld, Besitz oder Zeit ein. Aber es gibt noch etwas viel kostbareres: die Momente, in denen wir einem Menschen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.


Was mich daran berührt: Diese Form von Aufmerksamkeit kennt keine Knappheit. Wenn wir sie geben, verlieren wir nichts. Im Gegenteil. Oft entsteht daraus etwas, wonach wir uns alle sehnen: ein Gefühl von Verbundenheit, von Verstandenwerden und die Erfahrung, mit dem, was uns bewegt, nicht allein zu sein.

Ein Moment für dich

Halte einen Moment inne, wenn dir heute etwas wehtut oder dir alles zu viel wird. Leg eine Hand auf dein Herz oder dort, wo sich die Schwere am stärksten zeigt. Spüre die Wärme deiner Hand und atme ruhig in diesen Kontakt hinein.

Und bleib für ein paar Atemzüge einfach bei dir, so wie du es für eine gute Freundin tun würdest. Du musst nichts daran ändern. Es genügt, dass du dir selbst nicht davonläufst.

Das lese ich gerade

Gerade lese ich den Roman Yesteryear. Die Hauptfigur ist eine erfolgreiche Influencerin, die in den sozialen Medien ein scheinbar perfektes Leben als Ehefrau und Mutter inszeniert. Eines Tages findet sie sich plötzlich im Jahr 1855 wieder – in genau der Zeit, deren traditionelle Werte sie zuvor romantisiert hat.

Ich stehe noch am Anfang des Buches, aber die Grundidee fasziniert mich, denn sie wirft aktuelle Fragen auf: Wie viel von dem, was wir in sozialen Medien sehen, ist Wirklichkeit? Welche Sehnsüchte verbergen sich hinter der Idealisierung vergangener Zeiten? Und wie frei sind wir eigentlich in unseren eigenen Vorstellungen davon, wie ein gutes Leben aussehen sollte?

Ich bin gespannt, wohin mich die Geschichte noch führen wird.

Ich wünsche dir eine Woche, in der jemand für dich da ist und in der du für jemanden da sein kannst.

Von Herzen 💛

P.S.: Wenn diese Art von Präsenz etwas in dir berührt hat und du sie für eine Zeit auch für dich selbst erleben magst, lade ich dich zu meinem 1:1-Angebot Vertrauensvoll voran ein. Dort halte ich für dich genau diesen Raum, in dem du erst einmal ankommen darfst, mit allem, was gerade ist. Denn Veränderung gelingt am besten und nachhaltigsten dort, wo wir uns zunächst so angenommen fühlen, wie wir sind – und uns selbst auch so annehmen können. 

Der Einstieg ist immer ein kostenloses Kennenlerngespräch, in dem wir gemeinsam schauen, ob es für dich der richtige Weg ist. Hier kannst du dir einen Termin reservieren, oder schreib mir einfach zurück. 💛

      Pia Hübinger
      beziehungsweise

      Praxis für kontemplative Psychologie
      Schilfweg 13
      53721 Siegburg
      www.beziehungsweise.cologne


      kostenfreies Kennenlerngespräch


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